»Die gesamte Bevölkerung ist betroffen.« In Rio de Janeiro haben die Sportevents massive Auswirkungen

Rio de Janeiro wird nicht nur einer der WM-Spielorte sein, sondern beherbergt 2016 auch die Olympischen Spiele. Deshalb sind die Auswirkungen der Sport-Großereignisse hier besonders stark zu spüren. Der Widerstand organisiert sich unter anderem in lokalen Basiskomitees, in denen sich soziale Bewegungen, NGOs, akademische Institutionen sowie von Zwangsräumungen Betroffene zusammenschließen. ak sprach mit Carla Hirt, Aktivistin im Basiskomitee von Rio de Janeiro, über die Ausschlüsse, die das aktuell durchgesetzte Stadtmodell produziert, und über die negativen Auswirkungen von WM und Olympia.

Rio de Janeiro erlebt zur Zeit eine massive städtische Umstrukturierung, die mit den Sport-Großereignissen – WM 2014 und Olympia 2016 – gerechtfertigt wird. Was sind die wesentlichen Konsequenzen dieser Umstrukturierung?

Carla Hirt: Das zentrale Ziel der Megaevents, wie sie aktuell durchgeführt werden, ist nicht, den Sport und den Wettkampf zu feiern. Die Priorität dieses Eventmodells liegt vielmehr auf der Immobilienspekulation in den Städten, in denen die Spiele stattfinden. In ganz Brasilien findet derzeit in vielen Städten eine sogenannte »Revitalisierung« statt. Anders als es die offizielle Rhetorik besagt, sind diese Baumaßnahmen nicht dazu da, das Leben der Bevölkerung zu verbessern. Vielmehr geht es darum, die Interessen der Immobilienspekulation zu erfüllen, was die Gentrifizierung und elitäre Ausrichtung ganzer Innenstädte zur Folge hat. Die Lebenshaltungskosten in der Stadt werden für große Teile der Bevölkerung untragbar. Rio de Janeiro ist zu einer Ware geworden. Anstatt die Stadt so zu organisieren, dass möglichst viele Menschen Zugang zu ihr haben, wird sie so umstrukturiert, dass sie sich möglichst gut an die Wohlhabenden verkaufen lässt. So wird aktuell das Hafenareal von Rio de Janeiro umgebaut, 2016 soll sich dort das Olympia-Medienzentrum befinden. Mit dieser Begründung wurden viele Familien aus ihren Häusern vertrieben. Auch der Straßenbau konzentriert sich auf Gebiete, die für den Großteil der Bevölkerung keineswegs vordringlich sind, sondern in erster Linie auf Neubaugebiete, in denen große Bauunternehmen bewachte Luxuswohnanlagen planen. Die Immobilienspekulanten, die davon profitieren, gehören häufig zu den größten Geldgebern für Wahlkampagnen.

Weiterlesen in ak – analyse & kritik Nr. 595, die heute erscheint…

Übrigens: Carla Hirt wird beim 36. BUKO-Kongress in Leipzig (29.5.-1.6.2014) über die Kämpfe für ein Recht auf Stadt in Rio de Janeiro berichten.

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